Thought #423

Die Lüge vom „Elektromobilitäts-Kuchen“ – Warum der Antriebswechsel bei VW unsere Ressourcen plündert

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Technocracy
The Carbon Pulse

Beim Blick in die ZDF-Sendung Markus Lanz zur Krise und Umstrukturierung bei Volkswagen zeigt sich exemplarisch, wie blind unsere öffentlichen Debatten gegenüber den physischen Realitäten unseres Planeten geworden sind. Wenn dort über drohenden Arbeitsplatzabbau diskutiert wird und eine Expertin mit Hintergrund in Sinologie und BWL erklärt, China habe sich schon vor zehn bis fünfzehn Jahren auf die Elektromobilität vorbereitet, während VW geschlafen habe, fällt ein verräterisches Bild: Der chinesische Markt sei ein riesiger „Elektromobilitäts-Kuchen“, von dem nun eben auch andere Player ein Stück abhaben wollten.  

Es ist erschreckend, wie unhinterfragt solche betriebswirtschaftlichen Narrative im öffentlich-rechtlichen Rundfunk reproduziert werden. Denn wer genauer hinsieht, erkennt in dieser Sprache zwei fundamentale Denkfehler, die uns direkt tiefer in die ökologische und soziale Krise treiben.  

1. „Stehzeuge“ statt Fahrzeuge: Das Märchen von der Elektromobilität

Schon der Begriff Elektromobilität ist eine sprachliche Nebelkerze. Es geht bei diesem Industriemodell nicht um echte Mobilität, sondern um einen gigantischen Verschleiß natürlicher Ressourcen für den motorisierten Individualverkehr.  

Kein privater Pkw sorgt im Systemganzen für echte Mobilität, denn die überwiegende Mehrheit dieser tonnenschweren Geräte bewegt sich über 90 Prozent der Zeit überhaupt nicht. Es sind keine Fahrzeuge, sondern Immobilien auf Rädern („Stehzeuge“). Sie stehen herum, blockieren wertvollen urbanen Lebensraum und erzwingen eine gigantische Infrastruktur, die alles andere als grün ist:  

  • Auch die schicksten, KI-gesteuerten Elektroautos schweben nicht über grüne Wiesen. Sie brauchen versiegelte Flächen, Beton und Asphalt – und Asphalt wird direkt aus Erdöl gewonnen.  
  • Sie benötigen ein gewaltiges Netz aus Ladestationen, Stromtrassen und Batteriewerken, die wiederum auf Rohstoffen basieren, die weltweit immer knapper werden.  

Wenn man lediglich einen Verbrennungsmotor durch eine 500-Kilo-Batterie ersetzt, während das Konzept des zwei Tonnen schweren Privatpanzers unangetastet bleibt, betreibt man keine Verkehrswende, sondern Ressourcenvernichtung mit anderem Stecker.  

2. Warum Plünderung kein „Kuchen“ ist

Noch zynischer ist die typische BWL-Metapher vom „Markt als Riesenkuchen“, den die Konzerne untereinander aufteilen. Ein echter Kuchen besteht aus Zutaten wie Mehl, Wasser und Früchten – aus Ressourcen also, die bei nachhaltiger Landwirtschaft jedes Jahr wieder nachwachsen können.  

Was in den Chefetagen und Talkshows als „Marktkuchen“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit der Ausverkauf unseres endlichen Naturkapitals:  

  • Es geht um Grundwasser, das beim Lithium-Abbau in trockenen Regionen verdunstet.  
  • Es geht um seltene Erden, Kupfer, Kobalt, Nickel und Silizium, die unter enormem Energieaufwand aus der Erdkruste gerissen werden.  

Diese Ressourcen gehören keinem Autokonzern und keinem Aktienmarkt – sie gehören uns allen und sämtlichen Lebewesen auf diesem Planeten, die zum Überleben auf intakte Ökosysteme angewiesen sind. An der sogenannten Elektromobilität in ihrer heutigen Form ist kein einziger Aspekt nachhaltig.  

3. Das Versagen der Medienblase

Es ist unverantwortlich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das ZDF Moderatoren wie Markus Lanz mit Millionen-Honoraren ausstattet, damit dort Abend für Abend ungefiltert genau jene Wachstums- und Markt-Märchen wiederholt werden, die uns überhaupt erst in diese Sackgasse manövriert haben.  

Wer die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen als appetitlichen „Kuchen“ verharmlost und kritische Nachfragen zum Ressourcenverbrauch ausblendet, befeuert nicht nur das globale Artensterben, sondern verschärft auch den sozialen Unmut, die Kluft zwischen Arm und Reich und die Verteilungskonflikte unserer Zeit. Wir brauchen keine Debatten darüber, wie deutsche Konzerne schneller noch mehr Rohstoffe in noch mehr Autos verbauen – wir brauchen den Mut, Mobilität endlich jenseits des privaten Blechbesitzes zu denken.

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🤖 Quiz / Verständnisfrage zu Thought #423

Warum ist die in Wirtschaft und Medien beliebte Metapher vom „Elektromobilitäts-Kuchen“ (Marktkuchen) ökologisch und gesellschaftlich irreführend?  

A) Weil Elektroautos überhaupt keinen Strom verbrauchen und auf Wiesen fahren können.  

B) Weil ein Kuchen aus nachwachsenden Zutaten besteht, während für Millionen privater Elektroautos (die über 90 % der Zeit ungenutzt herumstehen) endliche Gemeingüter aller Lebewesen – wie Wasser, seltene Erden, Silizium sowie Erdöl für Asphaltstraßen – unwiederbringlich verschlissen werden.  

C) Weil der chinesische Automarkt in den letzten zehn Jahren komplett abgeschafft wurde.  

D) Weil private Pkw sich 24 Stunden am Tag ununterbrochen bewegen und niemals Parkplätze benötigen.  

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💡 Auflösung: Richtig ist B. Ein privater Pkw steht im Schnitt über 90 % der Zeit ungenutzt herum und blockiert urbanen Raum. Der Wechsel vom Verbrenner zum E-Auto löst weder den Flächenverbrauch (Asphalt aus Erdöl, Beton) noch den Raubbau an endlichen Ressourcen (Wasser, seltene Erden, Silizium), die allen Lebewesen dieses Planeten gehören und nicht wie die Zutaten eines Kuchens nachwachsen.  

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